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6 Wochen

In 6 Wochen sitz ich bereits im Flieger richtung Heimat.
Am Dienstag, 8. August, geht's los. Umsteigen muss ich in Zuerich und am Mittowch gegen Mittag/Nachmittag lande ich dann in Amsterdam, wo ich von meinen Eltern und -hoffentlich- meinem Bruder abgeholt werde.
Es gibt aber noch einiges zu tun, meine To-Do-List waechst praktisch stuendlich.
Ab Freitag habe ich fuer ne Woche frei, weil meine Gastfamilie zurueck nach Massachusetts fliegt. Werd dann wohl ziemlich viel erledigen muessen. Pakete mit Klamotten nach Haus schicken, Geschenke fuer meine kleinen besorgen (Abschied und weil sie ja im August Geburtstag haben), gaaanz viel Sport machen, wenig essen und Zeit in der Sonne verbringen, damit ich duenn und braun wieder zu Haus ankomme
Gefuehlsmaessig weiss ich echt nicht mehr so genau, was Sache ist.
Ich freu mich tierisch auf zu Deutschland, meine Familie, Freunde, mein Kaff, mein eigenes Bett, mein Kaninchen (was grad krank ist und laut Mama wahrscheinlich bald stirbt. halte durch, kleine!), einfach alles was ich hier so tierisch vermiss hab.
Aber irgedwie hab ich auch manchmal Angst davor, zurueck zu kommen. Wer hat sich wie veraendert? Bin ich vielleicht die einzige die sich veraendert hat und komm ploetzlich mit niemanden mehr klar oder man hat mich vergessen weil man selbst so busy war!? Alle moeglichen Versionen hatte ich schon in meinen Traeumen.
Traurig bin ich aber auch total. Seit ein paar Tagen habe ich immer wieder Momente in denen die Jungs zu mir kommen und mich fragen, ob ich bald wieder nach "Schoernemie" fliegen werde. Schwer, da die Traenen zurueck zu halten. Vor allem wenn die dich dann angucken und sagen "Ohnja, I'm not gonna cry cause I know you'll come back to visit us! But I'll be very sad and lonely and bored without you!"
Alles in allem seeehr verwirrend und komisch.
Und wie die Zeit vergeht ist echt mal krass. Vor allem weil wir durch den Umzug jeden Tag sau viel zu tun haben, dass man einfach kaum dazu kommt auf die Uhr zu gucken und ploetzlich ist's schon Dinnertime und dann Zeti fuers Bett.

Was hier so in letzter Zeit in Chicago passiert ist? Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, weil mir irgendwie die Motivation fehlt fuer die restliche Zeit noch neue Freunde zu finden von denen ich mich dann eh wieder verabschieden muss, wenn ich sie grad richtig kennengelernt hab. Meine Freizeit verbring ich im Moment eh mehr damit nen Aufsatz fuer meine letzten 3 Credits zu schreiben, aufgenommende Fussballspiele zu gucken, mich langsam durch meinen Emaildschungel zu arbeiten, Sport, ...

In Chicago ist das Leben eigentlich ganz anders. Wir schliessen ploetzlich unsere Haustueren ab, haben sogar ne Alarmanlage, die auch tatsaechlich nachts und wenn wir alle das Haus verlassen angestellt wird, wenn es dunkel ist darf ich draussen nicht mehr allein durch die Strassen laufen, man laeuft hier eh viel mehr (hab mir schon 5 Blasen an den Fuessen gelaufen) und Auto fahr ich gar nicht mehr.
Aber mir gefaellt die Stadt und vor allem unser Haus und ich bin froh, auch wenn ich Manchester und vor allem die Leute da vermisse, dass ich noch die Chance hatte, diese Stadt zu sehen.
Der Umzug war zwar anstrengend und hart aber genau das hat mir gezeigt wie sehr ich mich veraendert habe, wie viel ich gelernt hab und mit wie viel mehr Energie ich an Arbeit rangehe. Es ist auch meiner Gastmutter aufgefallen. Wir hatten vor 1 1/2 Wochen ein langes Gespraech. Wir hatten nen schoenen Grillabend auf unserem Roofdeck. Danach sass ich unten in der Kueche mit ihr, gemuetlich am Wein und Bier trinken. Sie hat mich in Grund und Boden gelobt. Wie sehr sie von mir uebrrascht waer, meinte sie, ich haette den Umzug durch meine Hilfe in allen Bereichen um 100% leichter gemacht und wie traurig sie doch sei, dass ich bald gehen muesste. Sie hatte Traenen in den Augen und ich konnte mich auch nur schwer zurueckhalten. Sie meinte, es wuerd ihr richtig weh tun und im Gegensatz zu meiner Vorgaengerin wuesste sie sicher, dass ich auf jeden Fall zu Besuch wiederkommen werde. Wir haben sogar ueberlegt, dass ich vielleicht fuer ein paar Wochen in den Sommermonaten als Sommernanny kommen koennte.
Dieser Freitag war allgemein ein Tag an dem ich abends unglaublich zufrieden ins Bett gegangen bin. Meine Gastma war nicht die einzige, die von mir begeistert war. 2 Mal an dem Tag habe ich den gleichen Satz gehoert: Morgens bin ich mit den Jungs spazieren gewesen, die waren aber zu wild, was nicht ungefaehrlich ist in ner grossen Stadt. Also haben wir angehalten und ich bin vor denen auf die Knie und habe ihnen erklaert warum wir uns an der Hand halten muessen und vorsichtig sein muessen. Ein aelterer Mann lief an uns vorbei, bekam das mit und meinte "One day you'll be a great Mom!"
Nachmittags waren wir alle zusammen in unserem neuen Fitnessclub. Als wir nach Hause wollten, musste ich mit den Jungs mit nem Taxi nach Haus, weil meine Gasteltern noch Mietwagen umtauschen mussten. Will fand das aber nicht so toll und wollte wie immer zu Mama und hat geschrien, geburellt, gestrampelt usw. Mir tat der Taxifahrer richtig leid, aber ich bin ruhig geblieben, hab auf Will eingeredet, ihn abgelenkt und es irgendwie hinbekommen, dass er sich beruhigt. Als wir aussteigen wollten meinte der Taxifahrer zu mir, wie ich nur so ruhig und geduldig bleiben koennte und den gleichen Satz den ich schon morgens gehoert hab "One day, you'll be a great Mom!"....Ganz komisch, aufs Wort genau gleich *grusel*

Wie sehr ich mich aber wirklich veraendert habe, werd ich wohl in 6 Wochen feststellen, wenn ich wieder zu Hause bin. Auf jeden fall weiss ich jetzt Sachen, die meine Mutter jeden Tag macht und warum sie manchmal so genervt war, wenn wir nicht aufraeumen wollten, nicht ins Bett wollten, unser Essen nicht essen wollten etc viel mehr zu schaetzen.

Bis bald und damit meine ich auch bis bald!
28.6.06 04:06
 


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